Geheimnisvolle Zeit - seliger Advent
Gesegnet bleibt die Stunde zeitlebens, da man im Advent forteilt, mit einem Bein in der Gegenwart steht, mit dem anderen im Traum der Vergangenheit und dieser Erinnerung nicht mehr los wird!
Man weilt in der Minute des Gedankens und merkt kaum, dass man Jahrzehnte übersprungen und dort steht , wo einst unsere Wiege stand! Da packt es einen ganz und man sinniert mit Versen: "wisst ihr noch, wie es geschehen? Immer werden wir erzählen wie der Advent in Maldorf ein Ereignis, ein immerwährender Zustand war, der sich tagtäglich darstellte. Er brachte das freudige Geschehen bereits im alltäglichen Klang der großen Adventsglocke, die im ausschwingenden Pendelschlag den verschneiten Fluren und noch schlafenden Seelen die Adventstag einläutete und laut verkündete:
"Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
Dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
Auch deine Angst und Pein."
Seliger Advent, da auch die Eltern davon träumten, ihrem Kind die Ehre zuteil werden zu lassen, der "Part voranzugehen und den Lichterbaum in der Frühmette u tragen und leuchten zu sehen! Auch einem unerfahrenen Junglehrer öffneten die glänzenden Kinderaugen das Geheimnis des Adventsgeschehens. Die vier Klassenersten, Jungen und Mädchen, wählten sich ihren "Part" und suchten sich ihre Sänger und Sägerinnen aus, die nun in acht Gruppen ihre Litanei in der Christmette singen sollten. So rollten dieses "Parten" das gesamte Adventsgeschehen auf. Jeden Nachmittag wurde eigens eine Singstunde, Praeces genannt, eingelegt zum Einüben der Weihnachtslieder und der Litanei. Da Wort "Praeces" geht auf folgenden lateinischen Begriff zurück: praeces (von praecipio) bedeutet soviel, wie: Unterricht erteilen, im voraus lernen.
Diese Gruppen überboten sich und wetteiferten miteinander. Nun hieß es, einen günstigen Tag zum Wintergrünholen zu bestimmen. Er wurde zu einem schulfreien, freudigen Tag! Mit Marschmusik der Adjuvanten ging es der Hege zu in Richtung des Waldes im "Birnbaum". Zurück ließen wir die tränenfeuchten Augen der Mütter, die uns sehnsüchtig nachschauten. Der sonnige, kalte Herbsttag war uns hold. Wie besessen schwirrten die acht Gruppen auseinander und suchten sich ihre Wintergrünplätze. Der Wald gab ihr Neckereien wieder: "Mir hu voll, ihr hot hohl! Hurra!!"
Inzwischen brannte der Holzstoß auf der Wiese, wo die Adjuvanten die Holzfleischstücke der Kinder brieten. Verschmitzt boten einige Kinder ihrem neuen Schulmeister einen Trunk neuen Weines aus ihren Holzflaschen an. Mit vollgefüllten "Toasern" (längliche Leinentasche) traten wir den Heimweg an und ließen den schönen Tag mit einem Tänzchen ausklingen. Was weiter geschah, entzog sich der Öffentlichkeit, denn jeder Sängergruppe strebte den schönsten "Lichtert" an!
Inzwischen liefen die Vorbereitungen zur Christmette. Neue Überraschungen kündeten sich an.
Es galt, den 60 Schulkindern der Oberstufe einen Neujahrswunsch beizubringen, den sie in ihren Familien aufsagen wollten. Der strenge Winter zog ein und hob die Weihnachtsstimmung. Nach wie vor läutete die große Glocke zum Advent um sechs Uhr früh und zum Beschluss des Tages um 20 Uhr.
Mit Weihnachtsliedern und Kurzgeschichten un den im Sprechchor der 60 Kinderkehlen vorgetragenen Neujahrswunsch ging es in die wohlverdienten Ferien. Die Spannung war geladen und voller Erwartung luden die Glocken am Heiligabend zur Christfeier ein; nur in Maldorf blieb alles still. Außer bei den Adjuvanten, die sich zum Kirchendienst einfanden, der mit dem Turmblasen zur Mitternacht begann und zum Ausklang der Christmette um 6 Uhr in der Früh mit einer Weihnachtsarie mit Orgelbegleitung, Geigen, Trompeten und Gesang, endete. Jahr um Jahr saßen sie die ganze Nacht durch im Musikzimmer der Schule und erwarteten bei einem bescheidenen Kartenspiel, bei Wein und Schnaps den neuen Tag des Christfestes.