Abschiedsbericht
Mit dem 14. Juni 1985 schließe ich meine Amtstätigkeit in Rode nach 35 Jahren und 7 Monaten ab. Als 27- jähriger kam ich in die damals schwergeprüfte Gemeinde, um sie nach der Flucht wieder zusammen zu schließen und aufzubauen. Mit meiner Pensionierung geht nun diese Arbeit zu Ende. Die bemerkenswerten Ereignisse innerhalb der Kirchengemeinde sind im Gedenkbuch bis 1976 verzeichnet. Zusammenfassend soll hier über den restlichen Zeitraum meiner Amtstätigkeit, also von 1977 bis Mitte Juni 1983, berichtet werden. Die auf Seite 81 des Gedenkbuchs stehende Statistik zeigt die Lage der Kirchengemeinde eindeutig an: Es ist seit den 7o-er Jahren eine unaufhaltsamen Abwärtsbewegung in der Seelenzahl zu erkennen. Seit der Flucht 1944 verblieb von den damals rd. 1.3oo Seelen die Hälfte im Ausland. Immer mehr Familien aus Rode entschlossen sich, zu ihren Angehörigen in die B.R.D., Österreich, USA oder Kanada auszuwandern. Den Höhepunkt der Abwanderung erreichten wir 1978, in welchem Jahr die Seelenzahl um 103 Personen sank. Die noch verbliebenen Gemeindeglieder bemühen sich zum überwiegenden Teil um die Genehmigung zur Auswanderung. Alljährlich trifft eine Reihe von Gemeindegliedern aus dem Ausland bei uns zu Besuch ein. Es zieht sie in die alte Heimat. Aus ihren Gesprächen erkennt man leicht die bleibende Verbundenheit ihrer Herzen mit Rode, den Sitten und Bräuchen, dem gewohnten Kirchgang und den freundschaftlich-nachbarlichen Gesprächen. Solche seelischen Werte sind eben nicht zu ersetzen. Man sehnt sich nach dem Verlorenen, das aber leider unwiederbringlich, verloren bleibt. Durch die spürbare Schrumpfung hat natürlich auch das gottesdienstliche Leben gelitten. Wir konnten bis Ende 1982 noch jeden Sonn- und Feiertag mit dem Kirchenchor im Gottesdienst singen. Wir hatten eine. leistungsfähige Adjuvantenkapelle. Gegenwärtig besteht der Kirchenchor aus drei Frauen, zu denen zeitweilig 6-8 jugendliche Mädchen dazukommen. Bläser haben wir noch zwei! Die Frage der Adjuvanten haben wir so gelöst, daß wir die Bläser aus Maldorf-Hohndorf und Rode zu einer Kapelle zusammenschlossen, dazu 12 Jugendliche aus Maldorf als Bläser ausbildeten. Sowohl der Chorarbeit als auch die Leitung und Ausbildung der Adjuvanten fiel mir als Mehrarbeit zu, eine Arbeit, die mir viel Freude bereitet hat. Auch mit dem Organistendienst gab es infolge der Abwanderungen immer wieder Schwierigkeiten. Der alte Maldorfer Organist Georg Zikeli hat sich zwei Jahre lang für Rode eingesetzt. Nur durch seine Erkrankung mußte er zurücktreten. Ihm sei auch an dieser Stelle Dank und Anerkennung ausgesprochen. Als Zwölfjähriger kam Harald Seiwerth an die Orgel, nach ihm Kurt Folkendt, - beide meine Schüler. Der Kirchegang und der Abendmahlsbesuch sind im Verhältnis zur Seelenzahl immer noch erfreulich. Die Kirchentracht wird gepflegt und getragen. Alle Besucher übergeben je eine Spende an die Kirche, wodurch unsere finanzielle Lange gesichert blieb. Die Kirchenbeiträge (seit 1983 je Lei 2oo.- pro Arbeitskraft) fließen pünktlich und restlos ein. Die Gemeindeglieder sind für die Pflege des Friedhofs sehr aufgeschlossen und bemühen sich, auch hierin das beste zu leisten. Die kirchlichen Gebäude sind in gutem Zustand, dank der früheren Instandhaltungsarbeiten. In den letzten Jahren ergaben sich nur kleinere Ausbesserungen, wie das Ersetzen von fehlenden oder gebrochenen Dachziegeln, Ausbesserung der Zäune u. ä. Wir bemühen uns, die ortsüblichen Sitten und Bräuche zu pflegen: Der Ostergruß des Pfarrers, die Christbescherung der Kinder mit Weihnachtsgedichten und -liedern am Heilig Abend, das Quem pastores in der Frühkirche am 1. Christtag mit drei "Lichtert", die in mühevoller Arbeit von den beteiligten Familien gestellt werden; Gedichte und Lieder zu Muttertag; das sehr geschmackvolle Schmücken des Altars, der Kanzel und der Ehrenbänke zum Erntedankfest. Seit 1965 haben wir einen Abendgottesdienst zu Jahresschluß eingeführt, der sehr gut besucht wird und der gegenüber dem früheren Brauch als Frühkirche bedeutend sinnvoller ist. Auch die üblichen Wochenfeiertage (Epiphanisa, Marientag, Peter- und Paulstag) konnten regelmäßig abgehalten werden. Es sei hier festgehalten, daß der Gottesdienst in Rode während der mehr als 35 Jahre langen Dienstzeit kein einzigmal durch Krankheit des Pfarrers ausgefallen ist. Den Dank dafür, wollen wir nicht vergessen! Bei den kirchlichen Handlungen (Taufe, Konfirmation, Trauung, Begräbnis) trachten wir danach, die ortsüblichen traditionellen Formen mit evangelischem Geist zu füllen. Wir betonen, daß die Gemeindeglieder hiefür weitgehend Verständnis gezeigt haben. In den langen Jahren meiner Amtstätigkeit hat sich zwischen Pfarrhaus und Gemeinde ein stabiles und vertrauensvolles Verhältnis ergeben, sicherlich auch dadurch, daß die Gemeindeglieder mit ihren verschiedensten Anliegen, Fragen und Sorgen auf den Pfarrhof kamen. In großer Dankbarkeit gedenke ich der zahlreichen Mitarbeiter, die mir während meiner Amtstätigkeit zur Seite standen, die Mitglieder des jeweiligen Presbyteriums und der Gemeindevertretung, die Kirchenväter und Kuratoren. Während meiner Amtszeit standen folgende Männer im Kuratorenamt: Martin Derra 235, Georg Ziss 116, Georg Hedrich 74, Johann Schuller 32, Johann Schuller 9o, Martin Kopes 244, Martin Folkendt 16 und Johann Flika 138. Von diesen Männern sind bereits fünf in die Ewigkeit eingegangen. Der Dank gebührt gleichermaßen allen Gemeindegliedern, Männern und Frauen, die sich um die Erhaltung der Kirche und ihrer Baulichkeiten bemüht haben. Schließlich sei den Organisten, den Mitgliedern des Kirchenchores und der Adjuvanten, sowie den Burghütern und Glöcknern für ihre bereitwillige Mitarbeit herzlich gedankt. Die Kirchengemeinde Rode hat während der langen Dienstzeit keinen Wechsel im Pfarramt gehabt. Die umliegenden Gemeinden haben dafür mehrfach ihre Geistlichen gewechselt und waren daher genötigt während der Zeit der Pfarrvakanz sich um die Betreuung ihrer Gemeinde an Rode zu wenden. Neben meiner hauptamtlichen Tätigkeit in Rode habe ich in folgenden Gemeinden Vertretungsdienste geleistet: Kleinalisch 13 Jahre; Kleinlasseln 3 Jahre; Felldorf 7 Jahre; Zendersch 3 Jahre; Maldorf-Hohndorf 8 Jahre; zusammen also 34 Jahre, wobei die Dienstorte zu Fuß erreicht werden mußten. Nur in den letzten fünf Jahren konnte mir zur Betreuung von Maldorf-Hohndorf ein Auto bereitgestellt werden. Die Fahrten übernahmen in dankenswerter Weise die Roder Gemeindeglieder Adolf Hedrich 188, Wilhelm Wagner 194 und K.V. Georg Gabber 36. Die Arbeit in den Nachbargemeinden war sicherlich eine Mehrbelastung, letztlich aber doch eine große Bereicherung durch die vielfältigen Erfahrungen mit den jeweils so verschiedenen Gemeinden. Die Berechtigte Frage: Wie soll es nun weitergehen? hat das Schäßburger Bezirkskonsistorium vorläufig so gelöst; Pfr. Gerhard Ehrlich aus Kleinalisch übernimmt mit 15. Juni 1983 die Leitung und Betreuung von Rode, Maldorf und Hohndorf. Die Besetzung von Maldorf-Hohndorf wird als vordringlich betrachtet. Ich schließe diesen Bericht mit einem nochmaligen herzlichen Dank an die Gemeinde mit den Worten aus l Sam 7,12 "Bis hierher hat uns der Herr geholfen!" und mit der Bitte an Gott: Hilf ferner mir, mein treuer Hort... (298,3)
Rode, am 20. Juni 1983 Pfarrer i.R. Rudolf Meltzer |